Stadtklima und Straßenbegleitgrün

Anfrage:

Vor dem Hintergrund der aktuellen Klimaerscheinungen frage ich an:

  1. Unter welchen Aspekten der Auswirkungen auf das Stadtklima werden Baumsetzlinge ausgesucht (z.B. Wuchshöhe, Schattenwurf etc.)? Falls insbesondere Schattenwurf eine Rolle spielt: wieviel Prozent der Straßen in Leipzig sind vollständig ganztätig beschattet? Welcher Wert wird hier künftig angestrebt?
  2. Welche Abwägungen werden beim Baumschnitt zwischen klimatischen Aspekten (z.B. möglichst größer Schattenwurf und viel Grün) und Aspekten des Straßenverkehrs getroffen?
  3. Werden Vergleichsmessungen (z.B. Temperatur, Feinstaub) zwischen begrünten/beschatteten Straßen und unbeschatteten/unbegrünten Straßen vorgenommen, wie sie beispielsweise in Wien erhoben werden? Falls ja: Welche konkreten Werte werden erhoben? Welche Temperaturunterschiede werden gemessen? Welche Unterschiede bei den Feinstaubwerten ergeben sich?
  4. Um das Überleben der Stadtbäume zu sichern, rief die Stadt Leipzig mehrfach zum Wässern der Straßenbäume auf. Gleichzeitig rief das sächsische Umweltministerium zum Wassersparen auf(vergleiche Meldung vom 26.07.2018 ). Wenngleich eventuell in Leipzig selbst noch keine Wasserersparnis notwendig wurde, waren beide Meldungen für den durchschnittlich verständigen Verbraucher gegenläufig. Wenn in Notfall-Lagen gegenläufige Meldungen von zwei verschiedenen übergeordneten Stellen eintreffen: welche Mitteilungen gelten für den Bürger?

Anfrage im Allris

Antwort:

1. Unter welchen Aspekten der Auswirkungen auf das Stadtklima werden Baumsetzlinge ausgesucht (z. B. Wuchshöhe, Schattenwurf etc.)? Falls insbesondere Schattenwurf eine Rolle spielt: wieviel Prozent der Straßen in Leipzig sind vollständig ganztägig beschattet? Welcher Wert wird hier künftig angestrebt?

Eine Auswahl von Arten und Sorten bei Straßenbäumen erfolgt hinsichtlich der allgemeinen Toleranz bezüglich der mit dem Klimawandel erwarteten Auswirkungen. Als Orientierungs­hilfe hierzu dienen z. B. Klimamatritzen aus der Fachliteratur und den Fachverbänden. Die Kriterien Wuchshöhe und Schattenwurf stellen kein klassisches Auswahlkriterium dar. Die Auswahl der Baumarten muss regelmäßig auf Grundlage der baulichen und räumlichen Rahmenbedingungen der geplanten Standorte geprüft werden.

2. Welche Abwägungen werden beim Baumschnitt zwischen klimatischen Aspekten (z. B. möglichst großer Schattenwurf und viel Grün) und Aspekten des Straßenverkehrs getroffen?

Eine Auswahl der Gehölze erfolgt anhand der real bestehenden Raumstruktur. Sofern ein angemessener Raum zur Entfaltung der Kronen bereitgestellt werden kann, wird auf eine größere, dem Raum entsprechende Baumart abgestellt.

Die Aspekte des Straßenverkehrs werden regelmäßig geprüft. Dabei können kleinkronige Bäume nur bedingt, z. B. in Fußgängerzonen, eingesetzt werden. In Bereichen mit angrenzender Straßenbahn sind hingegen Bäume einzusetzen, bei welchen das Lichtraumprofil über das geforderte Maß von 4,50 m über der Fahrbahn entwickelt werden kann.

3. Werden Vergleichsmessungen (z. B. Temperatur, Feinstaub) zwischen begrünten/beschatteten Straßen und unbeschatteten/unbegrünten Straßen vorgenommen, wie sie beispielsweise in Wien erhoben werden? Falls ja: Welche konkreten Werte werden erhoben? Welche Temperaturunterschiede werden gemessen? Welche Unterschiede bei den Feinstaubwerten ergeben sich?

Messungen zur Darstellung der unterschiedlichen Temperatursituationen oder unterschiedlicher Feinstaubbelastungen in unbegrünten und begrünten Straßenabschnitten werden seitens der Stadt Leipzig nicht durchgeführt. Der Stadt fehlen geeignete Messgeräte und personelle Kapazitäten, um längerfristig Messdaten zu erheben.

Jedoch zeigen aktuelle modellgestützte gesamtstädtische Untersuchungen zum Stadtklima einen erheblichen positiven Einfluss von Schatten insbesondere auch von Bäumen auf den bioklimatischen Komfort im Straßenraum. Abhängig von der Anzahl, Größe und Verteilung der Bäume zeigen sich die Effekte im gesamten Straßenraum oder direkt unter dem Kronenbereich der Bäume. Ebenso zeigt die in den Jahren 2014-2015 stattgefundene Stadtklimauntersuchung des DWD, die u.a. Profilmessfahrten durch verschiedene Bereiche der Stadt zu verschiedenen Tageszeiten umfasste, ein ganz ähnliches Bild. Insbesondere durch Bäume und Gebäude beschattete Bereiche waren während der nachmittäglichen Messfahrt deutlich kühler als besonnte Bereiche. Die größten Unterschiede zeigten sich in einer Abendfahrt zwischen stark verdichteter Innenstadt und Auenniederung mit ca. 11 K.

4. Um das Überleben der Stadtbäume zu sichern, rief die Stadt Leipzig mehrfach zum Wässern der Straßenbäume auf. Gleichzeitig rief das sächsische Umweltministerium zum Wassersparen auf (vergleiche Meldung vom 26.07.2018 ). Wenngleich eventuell in Leipzig selbst noch keine Wasserersparnis notwendig wurde, waren beide Meldungen für den durchschnittlich verständigen Verbraucher gegenläufig. Wenn in Notfall-Lagen gegenläufige Meldungen von zwei verschiedenen übergeordneten Stellen eintreffen: welche Mitteilungen gelten für den Bürger?

Die Straßenbäume der Stadt Leipzig stellen einen sehr hohen ökologischen aber auch finanziellen Wert dar, welcher zu schützen und zu erhalten ist. Eine zusätzliche Bewässerung insbesondere der jungen Bäume bei der derzeitigen sehr trockenen Witterung ist dazu unabdingbar.

Durch das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft wird zum sinnvollen und sparsamen Umgang mit Wasser aufgerufen. Konkrete Einschränkungen unterbreitete das Ministerium nicht. Ferner verwies das Ministerium darauf, dass sich erst bei einer weiteren drastischen Verschlechterung der Wassersituation „eine Senkung des privaten Wasserverbrauchs, das Unterlassen der Nutzung von Trinkwasser für Bewässerungszwecke erforderlich wären …“. Dieser Sachverhalt ist bisher noch nicht eingetreten.

Antwort im Allris

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